Die Erinnerungsrede

Ein Mensch ist gestorben. Hinter ihm liegt ein Leben, ein langes oder ein kurzes, eines, das voller Belastungen war oder glücklich und frei. Der Verstorbene lässt Menschen zurück: Partner, Kinder, manchmal Eltern, Kollegen, Freunde, Nachbarn. Das Verhältnis zwischen den Zurückbleibenden und dem Toten kann voller Liebe gewesen sein, aber auch gespannt und schwierig. Der Tod dieses Menschen kann erschüttern, aber auch erwartet worden sein, ja: eine Erlösung darstellen…

Jene, die zurückbleiben, trauern. Sie müssen den Verlust eines Menschen ertragen und werden mit der eigenen Sterblichkeit konfrontiert. Der eine trauert heftig, der andere in sich gekehrt. Der eine muss sprechen, der andere schweigt. Der eine sucht die Einsamkeit, der andere Gemeinschaft. Die Trauerfeier bringt alle zusammen.

„Trauerfeier“ - ist dieser Begriff nicht ein Widerspruch, kann man Trauer feiern?

Ich verwende statt Trauerfeier lieber das Wort Erinnerungsfeier. Wir wollen uns an den Verstorbenen erinnern.

In meinem beruflichen Alltag erleben ich in den letzten Jahren immer öfter, dass man auf die Idee kommt, dieser beschwerliche Weg könne umgangen werden, indem man die Trauer einfach ignoriert. Ausdruck dieser Haltung ist die anonyme Beisetzung ohne Feier. Man wird über den Tod eines Menschen informiert, und dann ist er einfach weg. Keine Zusammenkunft jener, die ihn liebten und kannten, oftmals kein Grab, kein anschließendes Beisammensein.

Ob aus Scham mit dem Tod oder um aus gut gemeinter Selbstlosigkeit niemanden mit dem Ableben zu belasten. Dieser Umgang mit der letzten Schwelle des Lebens versucht zu verdrängen. Doch was nur verdrängt und nicht verarbeitet wird, kommt irgendwann mit umso größerer Macht wieder an die Oberfläche: die Trauer.

Die Erinnerungsfeier soll weder Therapiestunde noch
Gerichtsverhandlung oder Heiligsprechung sein.
Die Erinnerungsfeier ist ein Akt der Krisenbewältigung.

  • Der Tod eines Menschen wird öffentlich gemacht
  • das Leben des Verstorbenen wird gewürdigt
  • der Tote wird symbolisch aus der Welt der Lebenden in die Welt der Toten überführt
  • sie soll ein Trost für die Zurückbleibenden sein.

Ich möchte sie in dieser schweren Zeit begleiten, ihnen beratend zur Seite stehen und bei der Umsetzung der Erinnerungsfeier behilflich sein. Gemeinsam wird es uns gelingen einen würdigen Abschied zu gestalten.

Ihr Othmar Lechner - Bestatter & zertifizierter Trauerredner